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dritter Reisebericht: Sibirien

Autor: Karin und Sven
Liebe Freunde
Von unserem Abstecher nach Sibirien werden wir euch ein paar auserwaehlte Geschichten erzaehlen, welche wir auf unserer Route von Kazachstan nach Barnaul – Novosibirsk – Krasnojarsk – Severobaikalsk (eine Woche Wandern) -Krasnojarsk (10-taegige Flussfahrt auf dem Jenissej nordwaerts nach Igarka und zurueck) – Novosibirsk und zurueck nach Kazachstan erlebt haben.
Viel Spass beim Lesen und liebe Gruesse von Karin und Sven
***** Einreise nach Russland *****
Zusammen mit zwei russischen Frauen liegen wir in unserem offenen vierer-Abteil. Wir haben ein ungutes Gefuehl, denn die Schaffnerin hat uns
schon beim Einsteigen etwas von Autobus und Grenze und so erzaehlt. Da sie uns aber trotzdem einsteigen liess, haben wir die Bettwaesche gemietet, die Matratzen ausgerollt und ueberzogen und warten bange im Halbschlaf auf die beruechtigten russischen Grenzbeamten. Die Kazachen sind schon durch, haben unser Gepaeck und unsere Paesse mehrmals untersucht, aber komischerweise keinen Ausreisestempel in den Pass gedrueckt… Dannn kommen sie – die Russen – , studieren unsere Paesse, murmeln etwas, sagen uns etwas von Kazachen, Russen Ukrainern und so, gehen wieder, holen andere und kommen wieder. Wir verstehen nicht viel, nur dass wir 2 Minuten Zeit zum Aussteigen haben…
Im Pijama stehen wir draussen in der dunklen Nacht (halb eins) und ausser dem Bahnhofsgebaeude ist hier gar nichts. Drinnen gibt es kahle Waende, ein paar Stuehle, einen Fernseher, ein Pult mit Lampe und vielleicht ein knappes
Dutzend Grenzbeamte, welche hier normalerweise wohl hauptsaechlich auf Zuege warten. Mit etwas Geduld und mit Papier und Kugelschreiber verstehen wir uns endlich etwas besser: Seit 2002 sei diese Grenze fuer Auslaender geschlossen und sie koennen uns hier keinen Einreisestempel geben, was uns bei der Ausreise Probleme bescheren wuerde. Wir haetten also per Bus reisen sollen,
da am Strassenzoll ein socher Stempel vorhanden sei. Ein Taxi zur Strassengrenze koste 10$ (7km) und von dort zum naechsten Bahnhof 40$ (150km)…
Unser Taxi ist ein „normales“ Auto, der Taxifahrer ein Grenzwaechter. Zum Glueck, denn er kann veranlassen, dass beim Strassenzoll die Reifenstachel
im Boden versenkt und die Tore geoeffnet werden. Er verschwindet mit unseren Paessen im Buero und kommt mit den wichtigen Stempeln zurueck. Es geht also weiter ueber Holperstrassen durch die Nacht … zur Tankstelle…
Man hat uns noch versichert, dass wir denselben Zug erreichen werden, aber
dies scheint uns immer unwahrscheinlicher, denn er ist hier vor ziemlich genau einer Stunde abgefahren und bei diesen Holperstrassen … Asphalt! Wir fahren nun gut 100. Wenn wir also 80 im Schnitt schaffen, brauchen wir 2 Stunden. Und wenn der Zug 50 faehrt, braucht er 3…
Ein paar Haeuser, ein paar Lichter, wir steigen aus. Da hinten sei der Bahnhof. Es ist 3:40 Uhr und hinter dem Haus (oder besser gesagt der Baracke) steht tatsaechlich der Bahnhof. Puenktlich um 3:47 Uhr taucht der Zug aus der Dunkelheit auf. Unsere Liegen sind noch frei und die Schaffnerin wenig erstaunt, uns wiederzusehen…
Das ist also Russland? Genau allen Vorurteilen entsprechend? Nein, nicht ganz, denn die Grenzbeamten waren freundlich und korrekt und 50$ fuer 2 Stunden Taxifahrt sind in Russland nicht so ueberrissen. Und immerhin konnten wir noch 4 Stunden schlafen…
***** erste Bekanntschaft mit russischen Schaltern *****
Samstag Morgen frueh in Barnaul, noch ohne Rubel in der Tasche und ohne Billet fuer die Weiterfahrt nach Novosibirsk, wo wir auf die Transsib
stossen und ostwaerts weiterreisen wollen. Eigentlich moechten wir gerne Travellers Checks einloesen, aber gemaess Reisefuehrer liegt die naechste Moeglichkeit 2km vom Bahnhof entfernt. Ohne Geld kann man das Tram nicht benutzen, also geht man zu Fuss zum Wechselbuero, das natuerlich Samstags geschlossen ist. Also doch Bankomat (was es am Bahnhof auch gehabt haette). Die Samstags frueh geoeffneten Imbissbuden haben kein Kleingeld, also auch zurueck zu Fuss. An der Schlange des Billetschalters entdeckt man vorne tatsaechlich einen Zeitplan mit vielen Schalterpausen (wie im Reisefuehrer beschrieben). Naechste Paus in anderthalb Stunden – das sollte reichen, wenn man als achter ansteht … Denkste! Erbarmungslos wird vor unserer Nase geschlossen und alle Leute der Schlange suchen sich brav einen anderen Schalter! Wir probieren’s im Busbahnhof nebenan … und sitzen prompt eine halbe Stunde spaeter im Bus nach Novosibirsk. Was wir also in vier Stunden erledigt hatten, waere auch in einer halben Stunde gegangen. Aber was sind schon vier Stunden fuer zwei Sibirienreisende? Es koennte schlimmer sein –
wie wir bald sehen werden…
***** Wie in Krasnojarsk die Tage vergehen *****
In Novosibirsk ist dann alles wie geschmiert gegangen: 10 Minuten nach Ankunft sitzen wir im Bus zum Bahnhof. Nach 15 Minuten werden wir am Billetschalter bedient. 20 Minuten spaeter faehrt unser Zug nach Krasnojarsk. Das reicht gerade noch, um etwas Brot und Instant-Nudeln (die Fahrt dauert ca. 15 Stunden) zu kaufen. Na also! Ihr seht: Es geht in Russland manchmal auch so … aber eben nur manchmal…
Am Jenissej in Krasnojarsk gibt’s den Flusshafen mit ziemlich grosser Bahnhofshalle. Hier gibt es 3-4 Laeden (im ueblichen russischen Kiosk-Stil) und eine grosse leere Wartehalle mit alten Sesseln und einem grossen blumenbeschmueckten Kriegsdenkmal. Der Billetschalter ist unten hinten draussen daneben und besteht aus einem kleinen Guckfensterchen. Wir sind also froh, hat sich Sergej uns angenommen. In Indien haetten wir eine so aufdringlich-hilfsbereite Person laengst abgewimmelt. Aber hier wollen wir
mal sehen, was passiert. Jedenfalls finden wir dan ihm relativ schnell relativ viel heraus: In 3 Tagen faehrt das naechste Schiff in den Norden, Plaetze hat’s noch, aber Fahrkarten gibt’s erst, wenn wir ein Sonder-Visum
fuer die Gegend um Dudinka am Eismeer haben. Es ist Sonntag Morgen und deshalb vorerst einmal ziemlich aussichtslos, so etwas zu ergattern… Kamartschaga ist ein halb verlassenes Holzhuettendorf in der sibirischen
Tajga und von Krasnojarsk mit dem ostwaertsfahrenden Vorortszug in 2 Stunden erreichbar. Sergej’s Gut besteht aus einer Wohnhuette mit Wohnwand, TV und Kuehlschrank, einer Kuechenhuette mit Holzofen fuer Herd und Banja
(russische Sauna) und einer Stallhuette mit 3 kleinen Saeulis. Die drei Huetten bilden, ergaenzt durch einen Lattenzaun, den kleinen Innenhof mit Seitenwagentoeff und Autowrack. Hinter dem Stall wachsen Kartoffel,
Radieschen, Randen, Kohl, Rueben, Gurken und Tomaten. Es ist Olga’s Reich, Sergej’s zweite (inoffizielle) Frau, denn seine erste ist ihm samt Tochter
und Sohn nach Amerika abgehauen. Mit Olga’s Tochter (im Teeni-Trotz-Alter) und wohl einem Waisen-Jungen zusammen baden wir Wuermer im Dorfteich. Ein anderer schraeger Vogel in Gummistiefeln (auch er hat bei Sergej Erbarmen
und Unterschlupf gefunden) schaelt Kartoffeln und holt Holz. Zwei Katzen und zwei Hunde tummeln sich noch im Hof und zwei Schwalben hausen unter dem Stalldach. Wir geniessen die Idylle und die Bekanntschaft mit fuer einmal gluecklichen Russen…
Am Flusshafen in Krasnojarsk steht auch ein ausrangiertes Kreuzfahrtsschiff, dessen Restaurant und Tanzsaal fuer jenste Parties gemietet werden koennen. Die Kabinen dazwischen stellen die billigsten Hotelzimmer der Stadt dar. Unsere Einzelkabine besteht aus einem Sofa und einer Bodenflaeche, welche gross genug fuer eine Campingmatte und zwei Rucksaecke ist. Sogar ein Waschbecken ist dabei und da sich das Fenster oeffnen laesst, koennen wir am Tischchen auch kochen. Eigentlich wollten wir ja heute schnell Visas und
dann Bootstickets fuer uebermorgen besorgen und dann in einen Nationalpark in der Naehe fahren, um dort zu zelten. Da aber der vorgestrige Unabhaengigkeitstag 3 Tage lang gefeiert wird, hat das Passbuero auch heute Montag geschlossen. Mittlerweilen ist ausserdem das Schiff von uebermorgen ausgebucht und wir muessen sowieso umplanen…
Wir werden also al naechstes nach Severobaikalsk zum Baikalsee fahren und am 25. (in gut 10 Tagen) zurueckkommen. Also nichts wie hin zum Bahnhof und einmal mehr anstehen. Fuer morgen Abend oder uebermorgen frueh klappt’s irgendwie nicht, aber fuer uebermorgen Abend kriegen wir Fahrkarten. Mit der Rueckfahrt scheint es auch irgend welche Probleme zu geben. Statt diese uns aber langsam und geduldig zu erklaeren, weist uns die Schalterbeamtin kurz angebunden ab und bedient die naechsten. „Nicht nachlassen – hartnaeckig bleiben“ sagen wir uns und stehen frisch hinten an. Natuerlich sieht es die Beamtin, tut aber so als merke sie’s nicht und ist froh, dass kurz vor uns
die naechste Pause beginnt. Also zum naechsten Schalter. „Ihre Kollegin hat uns gesagt, morgen sei kein Zug, aber es ist einer. Wir wollen das Billet tauschen!“ – „Kann man erst morgen“ – „wieso?“ – Die Antwort ist wieder zu kompliziert, dass wir sie verstehen wuerden, also geben wir auf und versuchen’s nochmals fuer die Rueckfahrt. Obschon hier taeglich ein Zug faehrt, klappt’s irgendwie nur einen Tag frueher, als wir moechten. Na dann
halt! Waehrend dem Ausstellen der Billete fragt sie ploetzlich, wieso wir nicht dort die Rueckfahrt reservieren wollen. „Ist dort besser?“ -„natuerlich!“ – „warum?“ – wieder ein zu komplizierter Satz. Wir geben auf und versuchen erst gar nicht, das Zugsticket fuer unsere Ausreise aus
Russland in drei Wochen zu erwerben, denn dazu fehlt momentan die Energie… Das Passbuero von Krasnojarsk versteckt sich hinter einer Tuer in einem kleinen Vorraum, in den man direkt von der Strasse her gelangt. Puenktlich
um 10:00 Uhr zur Oeffnungszeit ist dieser bereits hoffnungslos ueberfuelllt mit Russen. Es ist schwierig fuer uns, herauszufinden, was hier alles abgeht. Die Leute organisieren sich offensichtlich selber und schreiben ihre Namen auf verschiedene Wartelisten. Von Zeit zu Zeit oeffnet sich die Tuer, jemand kommt raus und jemand geht rein. Keine Ahnung, wer hier Auskunft geben kann, also fragen wir einfach eine Frau mit Warteliste in der Hand,
was man machen muss, um sich registrieren zu lassen. Sie hat keine Ahnung, aber eine andere erklaehrt uns – auf deutsch! -, dass wir um 14:00 Uhr wiederkommen sollen. 4 Stunden reichen gerade, um von Bank zu Bank geschickt zu werden, ueberall ein bischen anzustehen, um zur naechsten geschickt zu werden, bei einer Bank ziemlich lange zu warten, bis zwei von der Chefin
(man muss einfach per Zufall die richtige ansprechen) gedraengt herausfinden, dass die Alfa-Bank die Moeglichkeit hat, Travellers Checks einzuloesen, und bei dieser dann zweimal zu einem anderen Schalter und
einmal zur naechsten Bank geschickt zu werden, bevor man endlich am vierten Schalter einen TC-Kleber entdeckt und tatsaechlich ganz selbstverstaendlich und hoechst speditiv das gewuenschte Bargeld erhaelt. Zurueck im kahlen Warteraum wartet man dann eine weitere Stunde, bis das Passbuero wieder oeffnet und eine weitere gute Stunde, bis man an der Reihe ist, um von einem uniformierten Beamten belehrt zu werden, dass eine Registrierung nur in einem Hotel moeglich ist. Also geht man ueber die Strasse an die Rezeption eines groesseren Hotels, wird auch dort abgekanzelt und geht leicht genervt
zum Beamten im Passbuero zurueck, draengt sich an allen Wartenden vorbei und erklaehrt dem Beamten, dass sein Tipp wertlos war. Wenn’s nicht geht, sollen
wir einfach ins naechste Hotel. Doch doch, das geht dann schon einmal! Im zweiten Hotel klappt’s dann tatsaechlich nach kurzem insistieren, der Preis laesst sich aber nur leicht heruntermaerten und wie beim Passbuero gibt es auch hier kein Visum fuer Dudinka im hohen Norden. Alles was wir fuer unser teures Geld kriegen, ist ein lumpiger Stempel auf unsere Einreisekarte…
Das Visum fuer Dudinka geben wir endgueltig auf und kaufen unsere Schiffsfahrkarte nur bis Igarka kurz davor (aber nicht Visums-pflichtig)
fuer die Abfahrt in 11 Tagen. Motiviert durch den raschen Erfolg versuchen wir ein weiteres Mal unser Glueck und schaffen es tatsaechlich, Zugsbillete fuer die Weiterfahrt nach unserer Schiffsreise nach Novosibirsk und von dort nach Almaty (Kazachstan) zu kaufen…
In jeder groesseren russischen Stadt scheint es einen Zentralpark zu geben. Im Gegensatz zu allen anderen Parks ist hier der Rasen nicht meterhoch und mit Unkraut und wilden Straeuchern ueberwuchert und die Wege nicht nur Trampelpfade, sondern durch zierliche 10cm hohe Zaeunchen vom gepflegten
Rasen abgetrennte saubere Gassen. Die Kinderschaukeln funktionieren noch und die Klettergestelle sind nicht verrostet. Es gibt sogar Sitzbaenke und
Blumenbeete. Ponies stehen bereit, um Kinder spazierenzufuehren. Eines ist gar als Zebra bemalt, ein anderes traegt Sonnenbrille. Hier plaudern wir mit
einem schwedischen Russlandfreak und warten, bis es Abend wird und unser Zug faehrt, der uns nach 4 Tagen endlich von Krasnojarsk erloest!
***** Longjogg im Baikalgebiet *****
Tanne, Laerche, Birke, Foehre, Espe, Weide und wie sie alle heissen. Baum neben Baum neben Strauch neben Baum … das ist Sibirien. Dann und wann ein Kuckucks-Ruf, ein klopfender Specht, der Abdruck einer Baerenpranke und je nach Wind und Wetter manchmal weniger, manchmal mehr und manchmal vielviel mehr Muecken. Eigentlich muesste man die Berge aufsuchen, um auch mal etwas Weitblick zu haben, aber es ist einfacher und guenstiger, dorthin zu gehen,
wo eine Strasse hinfuehrt. Nur dank Reisefuehrer finden wir das Buero, wo
man Wanderkarten 1:200’000 kopieren kann. Ohne diese Kopien waere es noch schwieriger, herauszufinden, wo man wohl durchwandern kann. Viele Wege verlieren sich im Sumpf. Andere sind stellenweise ueberwachsen, weil sie laengst nicht mehr gebraucht werden. Wir wandern 2 Tage durch Sumpftaeler
und ueber Waldhuegel und uebernachten an einem malerischen Waldbaechlein mit viel Moos. Erst nach einer langen zweiten Tagesetappe gelangen wir in einer
Bucht wieder an den Baikalsee, dessen Kueste zu steil ist, um ihr entlang zu gehen. Wir haetten hier gerne in den heissen Quellen gebadet, aber das Kuroertchen in mitten von nichts wird gerade renoviert. Am dritten Tag sind wir bereits wieder per Kutter zurueck in der Stadt, wir haben aber noch zwei
Tage. Also lassen wir uns ein zweites Mal aussetzen und planen diesmal einen gemuetlichen Marsch ueber einen Huegel, von welchem aus wir uns dank Hochspannungsleitung und Waldschneise eine schoene Aussicht auf den Baikalsee versprechen. Die Schneise ist relativ gut begehbar und wir
scheinen am zweitletzten Tag unseren Huegel erreichen zu koennen… Waehrend dem Mittagshalt um 13:00 Uhr bemerken wir dann aber, dass das Saecklein mit Teleobjektiv, zweiter Fotokarte und zweitem Akku fehlt. Es muss irgendwann
mal auf dem ersten Tripp liegen geblieben sein. Bis morgen Abend koennten wir’s schaffen… Wir entscheiden uns – schon halb auf dem Huegel – ihn trotzdem zu umlaufen, weil auf der Karte dort ein Weg durchfuehrt. Dies entpuppt sich leider aber als Fehlentscheid, denn sieben Stunden pausenloser Marsch durch Gestruepp, knietiefes Moos, Sumpf und nur auf undeutlichem bis nicht erkennbarem Pfad warten auf uns. Um 21:00 Uhr kommen wir auf die Strasse und per Autostopp und weiteren anderthalb Stunden zu Fuss gelangen wir schliesslich kurz nach Mitternacht zu unserem Lagerplatz, wo wir vier
Tage zuvor bereits genaechtigt haben. Viel Pasta zum zNacht und eine gehoerige Portion Porridge zum Fruehstueck fuellen die Energiespeicher, um am naechsten Morgen um 7:00 Uhr den Longjogg zu starten. Diesmal ohne Gepaeck und auf bekannten, relativ guten Wegen, kommt Sven zuegiger voran und schafft die 40km zum Lagerplatz am Bach und zurueck in 5 Stunden. Geduldig wartend liegt dort auf dem Moos das vermisste Saecklein. Nach dem zMittag um 14:00 Uhr knoepft und ein Mann auf gelaendegaengigem Seitenwagentoeff noch Naturreservats-Gebuehren ab. Derselbe erloest uns spaeter nach 2 Stunden vom aussichtslosen Autostoeppeln und spielt Taxi
(diesmal mit Lada Niva) in die Stadt zurueck. Am anderen Morgen faehrt dort unser Zug nach Krasnojarsk…
***** wo einst Stalin in Verbannung lebte *****
Die Geschichte von der Schifffahrt auf dem Jenissej nach Igarka und zurueck ist schnell erzaehlt: 3 Tage und 6 Stunden Fluss abwaerts, 1 Tag und 14 Stunden warten bis das Schiff zurueckkommt und dann 5 Tage und 11 Stunden
Fluss aufwaerts. Zwei Weltwochen und zwei Buecher ueber Zentralasien gelesen und die ersten 80 von 600 Seiten im Russisch-Lehrbuch studiert (Geschlecht, Einzahl, Mehrzahl, Genitiv und Dativ). Der Rest ist weniger Handlung,
sondern einmal mehr unzaehlige Begegnungen, von denen wir hier nur vier erwaehnen wollen, damit auch dieser Bericht zu seinem Ende findet:
– Er hat seinen Lada Niva (russischer Jeep) auf das Dach des Bootes geladen und ist unterwegs in seine 6-monatigen Ferien, in denen er seine Frau in der Reha besuchen und mit einem Kollegen angeln gehen will. Normalerweise ist er mit einem 20-koepfigen Geologenteam mit Bohrtuermen und Raupenfahrzeugen unterwegs durch Sibirien. Auf der Karte zeigt er uns, wo es ueberall schoen
ist. Ein Heli kostet ja nur 1’000$ pro Stunde…
– Karin hat sie im Waschraum getroffen. Sie hatte extrem Freude, dass wir Schweizer sind und holte sofort ein Buechlein. Leider war der Text auf schwedisch, weshalb Karin Frau samt Buechlein zu Sven in die Kabine schickte. Sven soll lesen. Wieso? Will sie schwedisch hoeren? Also: Leider gibt es viel Krankheit und Unheil auf der Welt. Aber der Friede wird kommen und … so weiter. Bald stehen sie zu dritt (mehr haben nicht Platz) in
unserer Kabine, aber Sven kann ploetzlich noch weniger russisch als sonst und bald einmal flaut ihr Uebereifer ab und sie blasen zum Rueckzug!
– Slawa und Sergej sind zwei Teenies von Igarka. Sie finden es spannend, im Dorf einmal Touristen zu treffen. Sie holen Notitzblock und Kugelschreiber
und wollen von uns Glueckwuensche auf franzoesisch und auf englisch. Slawa wartet mit uns beharrlich, bis um 4:00 Uhr morgens unser Schiff nach
1-stuendiger Verspaetung endlich faehrt. 5 Stunden spaeter beginnt fuer ihn wieder die Schule.
– Er ist 38 und hat die Zeit zwischen 18 und 21 im Krieg in Afghanistan verbracht, statt eine Ausbildung zu geniessen. Am Ruecken sei er von einer Kugel verwundet worden. Er kennt Stephane Chapuisat und Roger Federer und weiss, dass die Schweizer gut im Ski- und im Bobfahren sind. Seine Frau hat ihn verlassen, weshalb er jetzt auf dem Heimweg nach Jenisseisk und am Wein saufen sei. Die Angst vor Wein- und anderen Flecken sowie von einer Ueberdosis Alkohol in den Atemwegen uebertrumpft bald einmal das Mitleid mit dem armen Kerl und wir lassen ihn auf Deck seelig schalfen.
Ach ja: In Igarka war Stalin in Verbannung, bevor er von dort irgendwie entkommen ist und mit Lenin und co begonnen hat, die Revolution vorzubereiten. Trotzdem steht in Igarka natuerlich kein Stalin-Denkmal, sondern eines von Lenin…

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