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Weltcup Tiszaujvaros, Ungarn

Autor: Melanie Annaheim
Nach 17 Tagen im Höhentrainingslager in Davos (schlafen auf dem 2660m hohen Weissfluhjoch) reiste ich letzten Donnerstag an ein weiteres Weltcuprennen in Tiszaujvaros, Ungarn. Nach mehreren guten Trainings und einem erfolgreichen Rennen in Nyon, ging ich dieses Mal mit einiges mehr Selbstvertrauen an die Sache. Ausserdem war das Ziel klar gesetzt: Top15 und damit Chance für die WM-Quali (zusätzlich muss ich auch noch auf die Startliste kommen, welche nach Weltrangliste erstellt wird).
Nach einer 8-stündigen Reise kamen wir endlich im Nirgendwo an! Tiszaujvaros ist eine abgelegene Öl-Industriestadt 2h östlich von Budapest. Da dieser Ort so abgelegen liegt, freut sich die Bevölkerung umso mehr, wenn alle Jahre wieder die Triathleten Einzug halten. Die Freude ist so gross, dass daraus eine 6-tägige Party entsteht ☺! Abschluss des Ganzen ist die legendäre Afterrace-Party! Es wird gemunkelt, dass manche Athleten nur anlässlich dieser Party und den hübschen Ungarinnen an den Start gehen…
Doch vor dem Vergnügen kommt erst die Arbeit! Am Freitag hatte ich mit starken Kopfschmerzen zu kämpfen und wurde dann doch ein bisschen nervös! Doch dank Nacken- und Fussreflexzonen-Massage des Physios und kühlenden Eispackungen auf dem Kopf, konnte ich am Samstag schmerzfrei an den Start stehen. Das Feld war nicht so gut besetzt wie z.B. an den beiden Rennen in Australien und Japan. Dennoch waren einige grosse Namen anzutreffen.
Mit der Startnummer 61 war ich erneut eine der letzten Athletinnen (diese Nummer zu verkleinern, ist momentan mein grösstes Ziel!), die ihren Platz auf dem Startponton aussuchen durfte. Dank meiner Grundschnelligkeit ist jedoch die manchmal etwas benachteiligtere Startposition meistens kein Problem. So auch dieses Mal. Nach den ersten schnellen Metern konnte ich bereits einige Athletinnen hinter mich lassen. Nun galt es sich an die Füsse der schnellen Schwimmerinnen zu heften. Bei der ersten Boje entstand dann das gewohnte Gerangel und man musste in erster Linie um Luft kämpfen. War das überstanden, verliefen die restlichen 1’100m ziemlich reibungslos.
Zu meiner Freude kam ich direkt hinter Daniela Ryf als Nummer 12 aus dem Wasser. Nach einem schnellen Wechsel fand ich mich erleichtert in der Spitzengruppe wieder. Da ich momentan noch nicht zu den schnellsten Läuferinnen gehöre, spekulierte ich auf einen ähnlichen Rennverlauf wie ein Jahr zuvor, als die Spitzengruppe 3min. Vorsprung heraus fuhr. Damit wären die Top15 in Reichweite gewesen. Die ersten zwei von sechs Runden funktionierte die Zusammenarbeit in unserer Gruppe nicht schlecht. Doch danach verloren wir kontinuierlich Zeit. Da der Vorsprung unter unseren Rädern schmolz, versuchte ich immer wieder verzweifelt die Gruppe zu einem schnelleren Tempo zu bewegen. Einmal hatte ich sogar 30m Vorsprung, doch dies beeindruckte niemanden wirklich. Und so wurden wir in der letzten Runde von einer 40-köpfigen Gruppe eingeholt. Trotzdem war ich mit meiner Arbeit auf dem Rad zufrieden und konnte sogar den zweiten Prämiensprint (500 Dollar) für mich entscheiden.
Nach einem chaotischen Wechsel (60 Athletinnen in der Wechselzone) machte ich mich auf die abschliessenden 10km. Zu diesem Zeitpunkt habe ich mein Ziel bereits aufgegeben. Die Top15 waren nun nicht mehr realistisch, da zu viele schnellere Läuferinnen mit mir vom Rad stiegen. Dennoch wollte ich für mich eine gute Zeit laufen. Da ich dank dem Höhentrainingslager eine „zweite Lunge“ mit mir trug, fühlte
ich mich vom ersten Meter an gut! Dieses Gefühl konnte ich bis zum Schluss halten und lief als 36. in 39.04min durchs Ziel. Obwohl ich die Quali deutlich verpasst habe, bin ich sehr zufrieden mit dem Rennen. Gefühlsmässig bin ich jetzt wieder ungefähr da, wo ich vor dem Pfeifferischen Drüsenfieber war. Dies lässt mich zuversichtlich in die Zukunft schauen und ich freue mich bereits auf die nächsten Rennen.

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