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Schweizermeisterschaften 2012, Bern Wankdorf

Autor: Gian Marco Meier Fotos: athletix.ch / athletic-world.com
Die Schweizermeisterschaften 2012 wurden am Wochenende im Berner Wankdorf-stadion durchgeführt. Wie bereits in den beiden vergangenen Jahren fanden die Meisterschaften am Freitagabend und Samstagnachmittag statt.
Freitag, 6. Juli 2012, 19:25h, Stellplatz
25 Athleten aus der ganzen Schweiz meldeten sich pünktlich beim „Callroom“. Die Serieneinteilungen wurden bekanntgegeben und der Qualifikationsmodus erklärt.
Die 4 Seriensieger sowie die weiteren 4 Zeitschnellsten qualifizieren sich für den Final. Somit war für unser „Knill Bill“-Team bereits klar, dass es sehr schwierig wird, die Direktqualifikation zu erreichen. Also blieb nur noch die Hoffnung auf eine schnelle Serie und viel Glück.
19:45h, Start, 800m M
Kurz bevor der erste Vorlauf der Männer startete, öffnete Petrus alle Schleusen! Als ob die Aare in Bern nicht schon mehr als genug Wasser führte, goss es wie aus Kübeln. Innert wenigen Augenblicken leerte sich der gesamte Innenraum des Stadions, alle auf der Suche nach einem mehr oder weniger trockenen Platz. Wieder einmal zahlte es sich aus, dass der LC Regensdorf meistens das eigene Vereinszelt dabei hat. Wenigstens wir behielten (noch) trockene Füsse.
19:55h, 1. VL 800m M (nach dem Monsun…)
Als der Regen wieder etwas nachliess, wurde Martin Knill zusammen mit Jan Hochstrasser, dem Saisonschnellsten, und 5 weiteren Kontrahenten auf die 2 Bahnrunden geschickt.
Bereits nach 100m zeigte sich, dass der 1. Vorlauf meistens nicht der schnellste ist… Martin setzte sich zwar sofort an die idealste Position, direkt hinter dem Führenden. Doch erst nach 57“ machte sich das geschlossene Feld gemeinsam auf die 2. Runde. Bereits jetzt war eigentlich klar, dass nur noch der Vorlaufsieger den Finaleinzug erreichen kann.
Eingangs Zielgeraden startete Hochstrasser dann den Turbo und machte die Sache klar. Martin kämpfte wie ein „Knill“, damit er den 2. Rang und somit noch theoretische Chancen fürs weiterkommen erreichen konnte. Es gelang ihm aber nicht. Nach 1’56“39 lief Martin als 4. in Ziel. Aus und Vorbei – dieses Jahr findet der Final für einmal ohne Martin statt!
20:05h, 4. VL 800m M
Simon Bill, unsere kanadisch-schweizerische Sommerverstärkung, lief in der 3. Vorlaufserie. Wie schon bei Martin war klar, dass der Vorlaufsieg keine realistische Option darstellte. Dafür wusste er, dass bis jetzt eine Zeit von 1’55“ für eine Qualifikation über die Zeit reichen würde. Und die Serie wurde schnell – zu schnell. Raphael Salm drückte von Beginn an so aufs Tempo, dass sich die beiden Schnellsten bereits nach ca. 300m vom Rest des Feldes verabschiedeten und den Vorlaufsieg unter sich ausmachten.
Simon erreichte als 5. eine Zeit von 1’57“48 und blieb hinter den Erwartungen. Bereits kurz nach dem Rennen ärgerte er sich über den fehlenden „Speed“ und philosophierte, ob er nicht doch über 1500m hätte starten sollen…
20:05h, 2. VL 1500m W
Joëlle Flück, Arlette Meier-Hunger und Jasmin Hangartner wurden alle in die zweite von zwei Vorlaufserien über 1500m eingeteilt. Der Qualifikationsmodus besagte, dass neben den 3 Vorlaufersten noch die 6 Zeitschnellsten in den Final einziehen. Zusammen mit den Mitfavoritinnen Kurmann, Fischer und Schlumpf war auch dies nicht einfach. Erst als die Zeiten der 1. Vorlaufserie von den beiden Coaches bekannt gegeben wurden, war klar, dass eine Zeit von unter 4’45“ und dem 6. Rang mindestens für Joëlle und Arlette gut zu erreichen sind. Und wenn Jasi in den Bereich ihrer PB laufen würde, wäre es auch für sie möglich.
Das Rennen gestaltete sich dann für einen Vorlauf typisch. Ein anfangs sehr gemächliches Tempo an der Spitze und etliche Rempeleien im dichten Feld dahinter. Erst als das Tempo in der letzten Runde gesteigert wurde, zog sich das Feld in die Länge und die Spitzengruppe mit Joëlle löste sich. Sie erinnerte sich aber an die Worte von Gian und lies die ersten 3 ohne Gegenwehr laufen… Denn rechnen kann Joëlle – eine Endzeit von unter 4’40“ reicht!
Noch etwas mehr Nerven und ein noch besseres Zeitgefühl zeigte Arlette, welche als 5. mit 4’42“04 die Qualifikation für den Final ebenfalls souverän erreichte.
Zugegeben – es liest sich jetzt vielleicht etwas minimalistisch, was diese beiden Damen zeigten – aber es galt ja möglichst viele Kräfte für den Sonntag aufzusparen.
Jasi scheint nicht ihren besten Tag eingezogen zu haben. Nur so erklärt es sich, dass sie bereits vor der 1000m Marke den Anschluss an das nicht allzu schnelle Feld verlor. Als 9. kam sie mit einer Zeit von 4’58“51 ins Ziel. Gerüchte, dass sich Jasi nach ihrer ersten Meisterschaftsmedaille über 3000m Steeple vor 3 Wochen zu viel gefeiert hat, werden an dieser Stelle aber vehement dementiert!!!
21:05h, 2. VL 1500m M
Sehr ungewohnt für einen Vorlauf an den Schweizermeisterschaften war, dass Mirco der einzige Träger des LCR-Tenüs über 1500m der Männer war. Nach dem Ausfall von Andreas Becker blieb Mirco als einziger Trumpf in der Spezialdisziplin des Runningteams LC Regensdorf.
Der Aufgabe sich unter den ersten 3 des Vorlaufes zu platzieren war Mirco jederzeit locker gewachsen. In einen sehr langsamen Lauf, setze er erst spät zu seinem gefürchteten Spurt an und gewann den Vorlauf locker in 4’01“07.
22:30h, Restaurant Wankdorf
Gut ausgelaufen, frisch geduscht und mit einer entspannenden Massage von Heidi Lüscher gab es nach etwas betteln und jammern doch noch eine Portion Pasta für alle. Nur Martin kam um seine Portion Frust-Fritten!
Samstag, 7. Juli 2012, 09:00h, Grünwald
2 Nichtqualifizierte und ein im Vorlauf Ausgeschiedener fügten sich bereits wieder Schmerzen zu! 2 Hochmotivierte und ein immer noch etwas Gefrusteter jagten sich etliche Male gegenseitig den Hügel hoch. Ganz im Hinblick auf die Team- und Staffelmeisterschaften im September. Denn dort kann Mirco die LCR-Ehre ja kaum im Alleingang retten…
17:05h, Finale 1500m W
Die Ausgangslage für den Final über 1500m der Frauen war klar: mit Valerie Lehmann, der Saisonschnellsten, Sabine Fischer, der EM-Teilnehmerin über 5000m und Lisa Kurmann der Newcomerin des Jahres über 1500m traf Joëlle gleich auf 3 starke Läuferinnen, welche ihr die fest erwartete Medaille streitig machen wollten. Aber je nachdem wie das Rennen verlaufen sollte, lag ja vielleicht sogar die grosse Überraschung drin!
Spätestens nach 32“ Sekunden und 200 gelaufenen Metern war klar – taktiert wird heute nicht! Ganz nach dem Motto – Angriff ist die beste Verteidigung – lancierte Lehmann das Rennen. Joëlle hatte sich zum Ziel genommen, jegliche Pace mitzulaufen und darauf zu hoffen, dass Sie dann am Schluss noch ihren starken Spurt einsetzen kann.
Mit einer Durchgangszeit von 2’53“ bei 1000m lief Joëlle immer noch dicht hinter Lehmann an 2. Stelle und war deutlich auf PB-Kurs. Erst eingangs der letzten Runde musste Joëlle etwas abreissen lassen. War das angeschlagene Anfangstempo doch etwas zu hoch? Bis zum Zeitpunkt, als Kurmann 250m vor dem Ziel zu einem sensationellen Schlussspurt ansetzte, welcher ihr sogar den Titel ermöglichte, war für Joëlle der Gewinn der Medaille immer noch sehr greifbar. Doch dann verkrampfte sie sich und auch die Laktatproduktion lief jetzt auf Hochtouren. Erst auf der Zielgerade wurde
Joëlle auch noch von Fischer überspurtet und musste mit der Ledermedaille vorlieb nehmen. Dass Fischer unter der aktuellen PB von Joëlle blieb tröstet in diesem Moment keinesfalls.
Mit letzter Kraft lief Joëlle nach 4’25“89 ins Ziel – völlig erschöpft und noch tausend mal mehr enttäuscht. Eine Siegerzeit von 4’18“ wurde übrigens letztmals im Jahr 2000 gelaufen und dass es für die Broncemedaille eine 4’21“ braucht war auch nur 1997 und 2005 der Fall…
Im gleichen Rennen lief Arlette aber mit ganz anderen Zielen. Gut, auch sie wollte möglichst schnell die 1500m absolvieren. Doch den Gewinn einer Medaille war für Sie heute kein realistisches Ziel. Die Silbermedaille hatte Arlette ja bereits an den Schweizermeisterschaften über 3000m Steeple vor 3 Wochen gewonnen. Diese Meisterschaften wurden vorgängig ausgetragen und ermöglichten so einen zusätzlichen Start über die lange Mittelstreckendistanz.
Nach den gesundheitlichen Problemen und der Operation im Frühling gilt es für Arlette darum, sich langsam wieder an das Hohe Tempo zu gewöhnen und ihre Saisonbestzeit weiter zu verbessern.
In einem eigentlichen Rennen hinter dem Rennen fand Arlette eine schnelle Gruppe, wo Sie das passende Tempo mitlaufen konnte. Auch ihre Durchgangs-zeit von 3’01“ bei 1000m war noch sehr vielversprechend.
Am Schluss erreichte Arlette den 10. Rang in einer Zeit von 4’38“30. Dies ist gegenüber dem Vorlauf nochmals eine deutliche Verbesserung und lässt auf eine erfreuliche 2. Saisonhälfte hoffen.
17:15h, Finale 1500m M
Und dann kam es aus LCR-Sicht zum grossen Show-down! Schafft Mirco nach 2 bitteren Niederlagen in den vergangenen beiden Jahren wieder den Gewinn des Meistertitels? Wie stark läuft der EM-Teilnehmer Stefan Breit? Wie wird das Rennen gelaufen? Taktisch – langsam- schnell – wer greift wann an? Alles Fragen, welche sich Mirco sicher hunderte von Male überlegt hat.
Bereits nach wenigen Metern war klar – es wird langsam – nicht sehr langsam – sondern noch viel langsamer!!!
Mirco läuft das ganze Rennen an idealer Position. Hinter der Spitze, leicht nach aussen versetzt, so dass er bei einem Angriff jederzeit kontern kann. Bei 1000m absolvierte das geschlossene Feld bei 3’03“, also langsamer als kurz zuvor Arlette durchgegangen ist… Jetzt werden die Nerven des LCR-Fanclub und der Coaches aber so richtig strapaziert. Alle wissen, in einem solchen Rennen gibt es schnell einmal einen Zwischenfall.
Doch bei der letzten Zielpassage geht die Post so richtig ab! Zu viert oder fünft nebeneinander laufen Sie in einem Höllentempo dem Ziel entgegen. Mirco immer noch mit der totalen Kontrolle. Da tat sich der eine oder andere Mitfavorit bedeutend schwerer.
Und eingangs der Zielgerade wird endlich klar – Mirco kann es immer noch! Er hat mit Abstand den besten Schlussspurt und gewinnt in 4’09“06 und einer halben Sekunde Vorsprung auf Breit. Bei einem solch taktischen Rennen eine sehr deutliches Resultat. Und die letzten 400m in 52“8 können sich auch sehen lassen!
Mirco gewinnt nach seinen Schweizermeistertiteln 2004, 2005, 2006, 2007 und 2009 also seinen 6. Freiluft-Titel in seiner Karriere. In der Statistik der grössten Titelsammler kommt er Markus Hacksteiner, welcher insgesamt 8 Titel gewann, immer näher…
Mircos Palmarès kann sich sehen lassen:
3 x Gold über 1500m Kat. U20/23 1 x Gold über 800m Kat. U23
6 x Gold über 1500m Outdoor 3 x Gold über 1500m Indoor
9 x Gold in der Staffel (3×1000/Amér.) 4 x Gold mit dem Team (800m/1500m)
Was die Siegerzeit angeht, verraten die Statistiken aber auch noch etwas. Seit 1984 war bisher die langsamste Siegerzeit 3’56“42! Also hält Mirco ab sofort auch noch den Titel des langsamsten 1500m-Meisters! Und dies ist nicht negativ gemeint, sondern zeichnet Mirco’s breites Repertoire an taktischen Möglichkeiten resp. sein gewaltiges Spurtvermögen nochmals aus.
An dieser Stelle wird den für einmal äusserst zahlreich erschienenen LCR-Fans für die Unterstützung gedankt…
19:30h, Finale 800m W
Monika Vogel, unsere „Gastathletin“ vom TV Wohlen, läuft in überlegener Manier zu ihrem insgesamt 7. Schweizermeistertitel. Nach einer taktischen ersten Runde steigert Monika kontinuierlich das Tempo und lässt ihren Konkurrentinnen keine Chance. In 2’10“38 gewinnt Sie mit über 1,5 Sekunden Vorsprung.
16:30h, 2. Zeitendlauf 800m M, Norddeutsche Meisterschaften !
Gleichzeitig mit unseren Schweizermeisterschaften fanden im 800 km nördlich von Bern gelegenen Rostock die Norddeutschen Meisterschaften statt. Bene, unsere nördliche Verstärkung und an der SM nicht medaillienberechtigt, lief für seinen Hamburger Verein über 800m. Da er mit seiner Meldezeit von 1’56“ nur in den 2. Zeitendlauf eingeteilt wurde, fand er sich in einem für sein momentanen Formstand zu langsamen Rennen vor. Nur knapp unter 59“ nach 400m reichten am Ende für eine 1’56“75 und den insgesamt 16. Rang.

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