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Swiss Olympic Gigathlon 2012

Autorin: Melanie Böllenrücher
Irgendwie ist es noch nicht lange her, als mich im November 2011 ein Kollege anrief und mich vor die verrückte – und etwas „gestörte“ – Entscheidung „Gigathlon im Couple oder nicht?“ stellte. Doch nach einem Wochenende Bedenkzeit, war der Fall für mich klar: ICH WERDE GIGATHLETIN 2012!!!
Das Training konnte also beginnen! Als erstes galt es, möglichst bald die ersten Stunden im Wasser zu verbringen. Ohne WetVest-Gurt fühlte ich mich nämlich gar nicht sicher im feuchten Element! So besuchte ich im Dezember den Crawl Anfängerkurs der Limmatsharks und bald war ich vertraut mit … ja … zumindest mit dem Brättli und den ersten Beinschlägen;-)
Olympic Friday
Und dann ging plötzlich alles ganz schnell. Unzählige Trainingsstunden im Wasser, Flughafenrunden auf den Inlines, hunderte Kilometer auf dem Rennrad und Longjoggs flogen nur so an mir vorbei, und schon war er da, der Gigathlon 2012, Olympic Friday, Check-In: erste Giga-Luft schnuppern, Rennvelo im Bikepark bereit stellen, Zelte aufstellen, Spiralen mit Bolognese spachteln und dann möglichst früh in den Schlafsack, denn …
Urban Saturday
… Tagwache am Samstag war um 03:45!! Frühstücken, letzte organisatorische Details besprechen und los gings! Während ich mich ins Inline-Tenue warf, machten sich mein Giga-Partner Michi, Supporterin Céline und “Supporter 2“ Luki mit der SBB auf den Weg nach Altreu.
Der Startschuss zum Gigathlon fiel mit 6 Minuten Verspätung um 05:36. In der Morgensonne auf einer superschönen Strecke donnerten die Singles und Couples in den schönen “Züglis“ Richtung Altreu. Kaum da angekommen fing mich Céline ab, der Zeit-Chip wanderte von meinem Fussgelenk unter Michi’s Neopren und da verschwand er auch bereits in der Aare. Dort erwarteten ihn 9 lange Kilometer, bevor er sich in Solothurn
aufs Bike schwang und die 54km nach Oensingen unter die Räder nahm. Dort löste ich ihn dann wieder ab. 105 beschwerliche Kilometer in
brütender Hitze kamen auf mich zu – 1700 Höhenmeter über den Scheltenpass, den Passwang und unendlich viele weitere Hügelchen … Sissach schien in weite Ferne gerückt zu sein! Doch ganz nach dem Motto des Gigathlon 2012 „Closer to you“ kam auch Sissach irgendwann „Closer to me“ und ich übergab den Chip nach etwas mehr als 4 Stunden erschöpft an Michi für
die letzte Etappe von heute: 24km und 150hm zu Fuss von Sissach zurück zum Basecamp in Olten! Eine Strecke, die vor allem bei diesen Temperaturen wohl jedem Gigathleten das Letzte abverlangte!
Nach der wohlverdienten Dusche genossen wir die allen bekannte Luxus-Massage von Heidi. Unsere Masseurin folgte uns gar bis nach Olten, um unsere müden Beine und strapazierten Rücken wieder startklar zu machen für Teil 2 am Folgetag! Noch ein kurzer Besuch in der “Futterhalle“ – und schon verschwanden die Gigathleten leise zurück in ihre Zelte …
Celebrating Sunday
Petrus meinte es nicht gut mit den Gigathleten. Nach tiefblauem Himmel, strahlender Sonne und brütender Hitze am Samstag, stand der Sonntag ganz im Zeichen von Regen, Hagelstürmen, Gewitter und merklich tiefere Temperaturen! Michi startete auf dem Rennvelo in den zweiten Tag. Céline und ich reisten mit dem Zug zur Wechselzone am Sempachersee in Sursee. Unterwegs stoppte uns ein Hagelsturm: Hagelschichten bis zu 15cm hoch übersähten die Strassen, die unsere spätere Inlinestrecke bildeten – und stellten zudem auch die Schwimmstrecke in Frage. Müssen wir doch noch die Ersatzstrecke zu Fuss laufen? Sollte das ganze Schwimmtraining umsonst gewesen sein?
Doch das Wetter besserte sich für kurze Zeit nochmals ein wenig. Zumindest bis Michi in der Wechselzone ankam und ich mich in den 23 Grad warmen Sempachersee stürzte und die erste Boje ansteuerte. Schon bald aber setzte wieder Regen ein, nach kurzer Zeit sogar Hagel. Mitten auf dem See konnten wir Schwimmer die nächste Boje nicht mehr sehen. Rufe von anderen Athleten, Ungewissheit wie weiter … zu unserer Erleichterung liess der Hagel bald nach und die Orientierungslosigkeit schwand wieder.
Nach 1h15’ erreichte ich das 3.2km entfernte Nottwil, wo Luki mit meinen Inlines auf mich wartete. Vom Neopren- in den Inlineanzug, Inlines mit montierten Regenrollen – und ab ging es auf die 40km nach Rothrist. Anfänglich trockene Strassen bereiteten mir Mühe mit den weichen Regenrollen, doch spätestens ab km 30 wollte ich sie nicht mehr missen! Petrus öffnete erneut die Schleusen, tosender Regen prasselte auf uns nieder, die Rollen kämpften sich durch cm-tiefes Wasser auf den Strassen! Mit idealem Mix zwischen Vorsicht und Schnelligkeit raste ich in die nächste Wechselzone wo Céline und Luki mit Bouillon, Sponser Liquid-Energy und der Laufausrüstung auf mich warteten.
Rein in die Laufschuhe, LCR-Shirt an und weiter in Richtung “Tuusiger-Stägeli“ und die letzten 28km meines Gigathlons! Der Aare nach und durch Wälder bekämpfte ich den letzten Abschnitt unter Cross-ähnlichen Bedingungen. Lange fühlte ich mich gut, Mami, Papi, Luki, Sandra und Céline feuerten mich auf der Strecke nochmals an, bevor ich dann bei km 22 zu leiden begann … die letzten 6 Kilometer wurden zum reinen Kampf, jeder Schritt schmerzte, ich dachte nur noch an den Finish, an die letzte Übergabe, dass es nachher geschafft war, mein grosses Projekt … Schritt für Schritt zum Ziel … und da war es bald … auch Oensingen kam “Closer to me“ … die
letzte Wechselzone des diesjährigen Gigathlons wo mich meine Schwester und Supporterin Céline mit den Worten “…du bisch ä Maschinä…“ und einer freudigen Umarmung begrüsste … und wo wir Michi mit dem Bike auf die letzte Etappe nach Olten schickten!
Mit SBB und Auto reisten wir ihm hinterher und erledigten im Camp in Olten erste Aufräumarbeiten, bevor wir uns für den Zieleinlauf positionierten und unseren Biker abwarteten. Und da kam er: von den 52km und 1400hm durch Regen, Schlamm und Dreck gekennzeichnet kam er an, sprang vom Bike und wir nahmen die letzten 200m gemeinsam unter die Füsse!
So liefen wir nach 460km und 7500hm, sprich 26h14’ Wettkampfstunden unter extremsten Bedingungen unverletzt und überglücklich ins Ziel!!! Ein unglaubliches Gefühl, überwältigend, noch jetzt läuft es mir kalt den Rücken runter, wenn ich daran zurückdenke … ein kleiner, persönlicher Olympiasieg:-)!!
Und wie es Olympiasieger und andere grosse Sportler so machen: ein riesiges Dankeschön an alle, die mir dieses grossartige Erlebnis ermöglichten!! Meinem Giga-Partner Michi, dem ich die Teilnahme überhaupt zu verdanken habe, unserer Supporterin und (meiner) besten Schwester Céline,
die alles gab und sich für nichts zu schade war, uns in jeder Wechselzone, sowie vor und nach dem Giga ideale Bedingungen zu schaffen, an Luki, der so manch hartes Velotraining mit mir durchgemacht hat und immer Verständnis hatte für den enormen Aufwand den ich betrieb, an Mami und Däddi, die mich immer unterstützen und gar Longjoggs per Velo begleiteten, an meine Trainingspartnerin und
Gigathletin Melina für die tollen gemeinsamen Trainings, an Heidi, die extra für uns nach Olten reiste und es fertig brachte uns auf einer Giga-Liege zu massieren und nicht zuletzt an die zahlreichen Fans die mich per SMS, Telefon, Mails oder gar an der Strecke anspornten – ex-LCR-Mitglied Sandra Mariani:-), meine zwei super-Ladies Sandra und Debbi und sogar meine Chefin Nicole!
Weitere Details über „M&M’s DELÜX“ (Startnummer 626) auf www.gigathlon.ch

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