Autorin: Annika Schöpfer

Fotos: Athletix.ch

Die Schweizer Meisterschaften im Zürcher Letzigrund boten einmal mehr eine eindrückliche Kulisse und beste Bedingungen für spannende Wettkämpfe. Der LC Regensdorf durfte sich über drei Medaillen an den nationalen Titelkämpfen freuen. Für einen weiteren Medaillengewinn sorgte Fanny Goy mit Gold an den Luxemburger Meisterschaften. Zudem erreichte Franziska Schindler an den Deutschen Meisterschaften den Final über 1500 Meter. 

Samstag

Den Auftakt machten Annika Schöpfer und Nadine Allemann über 1500 Meter. Beide hatten sich vorgenommen, ihre Form mit einer schnellen Zeit zu bestätigen. Doch wie so oft bei Meisterschaftsrennen bestimmten ein langsames Anfangstempo sowie zahlreiche Positionskämpfe den Rennverlauf. Annika hielt sich lange gut im Feld und konnte auf den letzten 400 Metern nochmals zulegen. Mit 4:53.94 Minuten belegte sie den 7. Rang in ihrer Serie, welches von  Lilly Nägeli (4:50) gewonnen wurde. Nadine positionierte sich von Beginn an an der Spitze der Gruppe, musste im Schlussspurt jedoch abreissen lassen und erreichte das Ziel in 4:53.09 Minuten. Für beide reichte es zwar nicht für den Final, wertvolle Meisterschaftserfahrung nahmen sie dennoch mit.

Kurz darauf stellte sich 800-Meter-Spezialist Rafael Zimmermann der Herausforderung über 1500 Meter. In einem taktisch geprägten Rennen lief er 4:07.22 Minuten. Auch wenn er sich vermutlich etwas mehr erhofft hatte, konnte er mit seiner Leistung insgesamt zufrieden sein.

Bei den 400 Metern standen Trinity Eberhard und Karin Disch im Einsatz. Trotz Oberschenkelbeschwerden zeigte Trinity einen beherzten Lauf und beendete das Rennen in 55.83 Sekunden. Der Finaleinzug blieb ihr jedoch verwehrt. Erfolgreicher verlief der Wettkampf für Karin Disch. Die eigentliche Langhürdenspezialistin entschied sich kurzfristig für einen Start über 400 Meter flach, gewann ihre Serie souverän in 53.79 Sekunden und qualifizierte sich überzeugend für den Final.

Alessandro Marchica stand ebenfalls über die Stadionrunde im Einsatz. In einem schnellen Rennen steigerte er seine persönliche Bestleistung auf starke 50.07 Sekunden. Die Marke von unter 50 Sekunden verpasste er zwar hauchdünn, doch dürfte sie in dieser Saison nur noch eine Frage der Zeit sein.

Über 800 Meter zeigte der letztjährige Bronzemedaillengewinner Robin Oester ein abgeklärtes Rennen. Ohne unnötig Kräfte zu verschwenden, gewann er seine Serie souverän und sicherte sich den direkten Einzug in den Final.

Einen starken Auftritt zeigte auch U23-Athletin Levia Schaden über 400 Meter Hürden. Bei ihrer bereits dritten Aktiv-SM überzeugte sie mit einem guten Lauf und stellte in 59.29 Sekunden eine neue persönliche Bestzeit auf. Als Neunte verpasste sie den Final denkbar knapp, dennoch ein weiterer Schritt in ihrer vielversprechenden Entwicklung.

Zum Abschluss des Tages standen die 5000 Meter auf dem Programm. Nach einer verletzungsbedingten Pause kehrte Jonas Raess an die Schweizer Meisterschaften zurück. Lange lief der Titelverteidiger kontrolliert in der Spitzengruppe mit, bevor das Rennen durch Max Studer an Tempo gewann. Im Schlussspurt fehlten Jonas die letzten Reserven, um Arno Liebl und Nino Freitag noch abzufangen. Mit Bronze durfte er sich dennoch über eine solide Rückkehr auf das nationale Podest freuen.

Auch in Deutschland wusste der LC Regensdorf zu überzeugen. Franziska Schindler qualifizierte sich an den Deutschen Meisterschaften in Bochum über 1500 Meter in 4:20.40 Minuten als Sechste für den Final am Sonntag. Nach ihrer starken Leistung in Pfungstadt bestätigte sie damit eindrucksvoll ihre ausgezeichnete Form.

In Luxemburg sicherte sich Fanny Goy den nationalen Meistertitel über 3000 Meter Steeple. Obwohl das kleine Teilnehmerfeld das Rennen schwierig machte, setzte sie sich in einer neuen persönlichen Bestleistung von 11:06.74 Minuten souverän durch und durfte sich über Gold freuen. 

Sonntag

Der Finaltag begann aus Sicht des LC Regensdorf mit einem echten Krimi über 400 Meter. Karin Disch wusste, dass im Kampf um die Medaillen jede Hundertstelsekunde zählen würde, nicht zuletzt mit Blick auf eine mögliche Selektion für die 4×400-Meter-Staffel an den Europameisterschaften in Birmingham. Nach einem starken Rennbeginn hielt sie bis auf die Zielgerade den Kontakt zur Spitze und mobilisierte auf den letzten 100 Metern nochmals ihre Sprintqualitäten. Während Mélanie Roland souverän ihren ersten Schweizer Meistertitel gewann, fiel die Entscheidung um Silber und Bronze denkbar knapp aus. Gerade einmal eine Hundertstelsekunde trennte Karin Disch und Florence Nri. Das bessere Ende hatte Karin für sich. Mit Silber und einer neuen persönlichen Bestzeit von 53.31 Sekunden belohnte sie sich für ihre starke Leistung, ein weiterer wichtiger Schritt nach ihrer verletzungsbedingten Pause im vergangenen Jahr.

Jannis Wiedmer feierte an den Schweizer Meisterschaften seine Premiere bei den Aktiven. Bereits die Qualifikation für den nationalen Saisonhöhepunkt stellte einen grossen Erfolg dar, denn seit vielen Jahren war er der erste Techniker des LC Regensdorf, dem dies gelang. Über 110 Meter Hürden präsentierte sich der Nachwuchsathlet in ausgezeichneter Form. Mit einer neuen persönlichen Bestzeit von 15.56 Sekunden belegte er im Vorlauf den sechsten Rang und sammelte wertvolle Erfahrungen auf höchstem nationalem Niveau. 

Für Hochspannung sorgte anschliessend der 800-Meter-Final mit Robin Oester. Obwohl der sonst so ruhige Athlet vor dem Start ungewöhnlich nervös war, zeigte er vom ersten Meter an ein mutiges sowie taktisch kluges Rennen und setzte sich direkt an die zweite Position. Seine grössten Konkurrenten, Ramon Wipfli und Ivan Pelizza, lauerten zunächst im Hintergrund. Auf den letzten 200 Metern entwickelte sich ein packender Dreikampf. Ramon Wipfli verteidigte seinen Schweizer Meistertitel, während Robin im Zielsprint die Silbermedaille hauchdünn verpasste. Lediglich drei Hundertstelsekunden fehlten ihm zu Rang zwei. Die Bronzemedaille war dennoch der verdiente Lohn für eine beeindruckende Saison. 

Den Schlusspunkt des Wochenendes setzte Franziska Schindler im Final der Deutschen Meisterschaften über 1500 Meter in Bochum. Franzi positionierte sich klug im Feld und hielt lange gut mit. An der Spitze sicherte sich Jolanda Kallabis mit einer taktisch starken Leistung den Titel. Franziska überquerte die Ziellinie auf Rang 11. Bereits die Qualifikation für dieses hochklassig besetzte Finale war ein grosser Erfolg und die Art und Weise, wie sie sich dort präsentierte, macht Lust auf mehr.