Autorinnen: Leana Wanner / Annika Schöpfer
Wenn am kommenden Wochenende die Leichtathletik Europameisterschaften in Birmingham beginnen, schreibt der LC Regensdorf Vereinsgeschichte. Erstmals werden mit Jonas Raess und Samira Schnüriger gleich zwei Athleten unseres Vereins die Schweiz an einer Europameisterschaft vertreten. Für den LC Regensdorf ist dies ein historischer Meilenstein und zugleich der Lohn jahrelanger konsequenter Arbeit.
Für Jonas Raess stand die EM-Teilnahme schon seit längerer Zeit fest. Bereits im März 2025 erfüllte er die Limite über 10’000 Meter und konnte seine gesamte Saisonplanung auf den Saisonhöhepunkt ausrichten. Zwar hätte sich der Regensdorfer dank seines Rankings auf der «Road to Birmingham» zusätzlich auch über 5’000 Meter qualifiziert. Er verzichtet jedoch bewusst auf einen Doppelstart und richtet seinen ganzen Fokus auf die 10’000 Meter.
Für den mehrfachen Schweizer Meister ist es bereits die vierte Teilnahme an Europameisterschaften. Die Vorfreude ist deshalb keineswegs kleiner geworden. «Eine EM ist immer etwas ganz Besonderes. Man kann sich mit den besten Läufern Europas messen und beweisen. Im Vergleich zu einer Weltmeisterschaft oder den Olympischen Spielen sind die Chancen, vorne mitzumischen, an einer EM etwas grösser. Genau darauf freue ich mich.»
Der Weg nach Birmingham verlief allerdings alles andere als reibungslos. Eine Stressreaktion im Kreuzbein zwang Raess zwischen Februar und April 2026 zu einer längeren Trainingspause. Der Rückstand machte die Saison anspruchsvoll. Inzwischen blickt er jedoch wieder optimistisch nach vorne. «Ich habe das Gefühl, dass ich rechtzeitig in Topform komme und in Birmingham meinen Saisonhöhepunkt erreichen werde.»
Die Vorbereitung verlief gewohnt professionell. Einen grossen Teil des Sommers verbrachte Raess im Höhentrainingslager in St. Moritz. Nach den Schweizer Meisterschaften kehrte er nach Zürich zurück. Dort absolvierte er gemeinsam mit seiner internationalen Trainingsgruppe ein Pre Camp. Nach Birmingham reist der 32 Jährige mit klaren Vorstellungen. «Ich möchte mich in der europäischen Spitze behaupten, aktiv am Rennen teilnehmen und das Maximum aus mir herausholen.»
Auch für Samira Schnüriger erfüllt sich mit der EM-Selektion ein lang gehegter Traum. Besonders emotional ist die Qualifikation, weil sie die Europameisterschaften 2022 in München denkbar knapp verpasst hatte. Damals fehlte ihr im Ranking lediglich ein einziger Platz.
«2022 war ich schon sehr nahe dran. Deshalb bedeutet mir diese Qualifikation enorm viel», erzählt Schnüriger. Bewusst habe sie in den vergangenen Jahren jedoch darauf verzichtet, den Qualifikationspunkten oder Limiten hinterherzujagen. «Das hat mich eher gestresst. Ich sagte mir immer, wenn es reicht, ist es super. Wenn nicht, gibt es auch viele andere schöne Marathons.» Umso schöner sei nun die Gewissheit, dass sich die unzähligen Trainingskilometer sowie die guten, aber auch schwierigen Wettkämpfe ausbezahlt hätten. «Es zeigt einfach, dass sich Fleiss irgendwann auszahlt.»
Die Vorbereitung auf Birmingham unterschied sich deutlich von einer klassischen Marathonvorbereitung. Der anspruchsvolle 5-Kilometer lange Rundkurs mit zahlreichen Höhenmetern stellte neue Anforderungen. Statt der üblichen langen Tempoläufe standen vermehrt Fahrtspiele, coupiertes Gelände und intensive Einheiten im Grünwald auf dem Trainingsplan. «Ich konnte mich dieses Mal nicht wie gewohnt an Kilometersplits orientieren. Dafür haben wir viel abwechslungsreicher trainiert. Rückblickend hat mir das extrem gut gefallen und ich habe gemerkt, wie viel stärker ich auf coupierten Strecken geworden bin.»
Wie sich das Rennen entwickeln wird, wagt die LC-Regensdorf Athletin kaum vorauszusagen. Der selektive Kurs dürfte für sämtliche Teilnehmerinnen Neuland sein. «Wahrscheinlich hat noch niemand im Feld einen Marathon auf einer solchen Strecke absolviert. Deshalb wird es für fast alle eine Überraschung sein, wie sich das Rennen entwickelt.»
Entsprechend setzt Schnüriger weniger auf Zahlen als auf ihr Körpergefühl. Gerade weil die Strecke kaum flache Abschnitte oder lange Geraden bietet, dürfte das richtige Tempo nur schwer über die Uhr zu steuern sein. «Meine besten Halbmarathons und Marathons bin ich fast immer nach Gefühl gelaufen und habe kaum auf die Uhr geschaut. Ich hoffe, dass mir das auch an der EM gelingt.»
Komplettiert wird die Regensdorfer Delegation in Birmingham durch Gian Marco Meier. Der Trainer des LC Regensdorf erhielt ebenfalls ein Aufgebot von Swiss Athletics und wird die Schweizer Delegation vor Ort als Coach betreuen.
Fast wäre die Delegation des LC Regensdorf sogar noch grösser ausgefallen. Robin Oester belegte im revidierten Ranking über 800 Meter den undankbaren 33. Rang und verpasste die Selektion als erster nicht berücksichtigter Athlet denkbar knapp.
Auch Karin Disch wurde trotz ihres zweiten Platzes an den Schweizer Meisterschaften nicht für die 4×400 Meter Staffel selektioniert. Das Schweizer Team setzt sich neben der Schweizer Meisterin aus Spezialistinnen über 200 Meter, 400 Meter Hürden und 800 Meter zusammen.
Mit zwei Athleten und einem Trainer ist der LC Regensdorf an den Europameisterschaften so stark vertreten wie noch nie. Ein historischer Moment für den Verein und gleichzeitig Ansporn für die nächste LCR-Generation!
